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Trinkwasserinitiative: Viele Betriebe würden nicht umstellen

07 Mai 2019
(lid.ch) – Die Trinkwasserinitiative verfehle ihr Ziel, so eine Studie der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) im Auftrag des Schweizer Bauernverbandes (SBV). Vor allem Betriebe mit Spezialkulturen würden gezwungen, aus dem ökologischen Leistungsnachweis auszusteigen und so keine Direktzahlungen mehr zu erhalten oder die Produktion aufzugeben.

Wirtschaftliche Auswirkungen einer Annahme der Initiative Sauberes Trinkwasser wurden von der HAFL untersucht und heute bei einer Medienkonferenz vorgestellt. Dabei zeigen Modellrechnungen, dass die Trinkwasserinitiative auf alle untersuchten Betriebe negative Auswirkungen bezüglich Umsatz und Einkommen hätte.

5 der 11 Betriebe würden sich aufgrund der Resultate für das Anpassen an die Anforderungen der Initiative enscheiden, um weiterhin Direktzahlungen zu erhalten. Das gilt insbesondere für Milchvieh- und Ackerbaubetriebe. Letztere müssten aber ihre Fruchtfolge umstellen und gewisse Kulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben oder Raps aufgeben.

Nicht tragbare Produktionsrisiken

Sechs Betriebe ziehen es gemäss der Studie vor, auf Direktzahlungen zu verzichten, um die Forderungen nicht erfüllen zu müssen. Zu dieser Gruppe gehören Betriebe mit Spezialkulturen wie Obst oder Wein. Der vollständige Verzicht auf Pflanzenschutzmittel würde für diese Betriebe erhebliche Ertragseinbussen und nicht tragbare Produktionsrisiken mit sich bringen.

Ebenfalls auf Direktzahlungen verzichten, um die Produktion aufrechtzuerhalten, würden Schweine- und Geflügelhalter. Für die meisten dieser Betriebe sei es unrealistisch, die Nutztiere ausschliesslich mit auf dem Betrieb produziertem Futter zu füttern, wie die Landwirte an der Medienkonferenz selber aussagten.

Kaum Veränderung am Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln

Die Analyse besagt, dass eine Annahme der Trinkwasserinitiative einen erheblichen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe aus dem Direktzahlungssystem verdrängen würde. Die Frage drängt sich auf, wie die Konsequenzen der Initiative auf den Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln wären, wenn sich die grossen Verbraucher ihr gar nicht unterwerfen und dafür aus dem ökologischen Leistungsausweis aussteigen würden.

Zu extrem

Für den SBV zeigt die Studie, dass die Forderungen der Trinkwasserinitiative zu extrem sind und nicht zum gewünschten Resultat führen. Der Präsident Markus Ritter anerkennt den Handlungsbedarf der von der Initiative angesprochenen Themenbereiche. Jacques Bourgeois, Direktor des SBV, weist auf den Aktionsplan Pflanzenschutz hin, der mit 51 Massnahmen den Pflanzenschutzmitteleinsatz reduzieren will. Auch die Branchenlösung zur Stärkung der inländischen Futterproduktion, die Strategie Antibiotikaresistenzen und der Aktionsplan Biodiversität zeigen, dass der SBV Lösungen sucht.

Grenzen der Studie

Barbara Eiselen, wissenschaftliche Mitarbeiterin der HAFL und inhaltliche Leiterin der Studie, betont dass die Studie nicht generalisierbar ist. Die 11 Betriebe zeigten Beispiele und mögliche Szenarien, könnten aber nicht verallgemeinert werden. Eiselen sagt aus, dass Landwirte eher bereit seien, den Forderungen der Initiative nachzukommen, je höher ihre Direktzahlungen sind. Weiter seien die negativen Einflüsse nur auf kurze Frist voraussehbar. Dies liege daran, dass es enorm schwierig sei, Marktentwicklungen vorauszusagen.

Die 2018 eingereichte Volksinitiative "Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung" verlangt, nur noch Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen zu unterstützen, die:

  • keine Pestizide einsetzen
  • in ihrer Tierhaltung ohne prophylaktischen Antibiotikaeinsatz auskommen
  • nur so viele Tiere halten, wie sie ohne Futtermittelimporte ernähren können